Die komplette Fahrrad-Inspektion in 90 Minuten – Rennrad, Gravel, MTB, Trekking und E-Bike

Fahrradinspektion Checkliste
Checkliste zur Fahrradinspektion

83,35 € kostet eine Standardinspektion 2026 im Bundesschnitt. Das Werkzeug, mit dem du dieselbe Inspektion selbst machst, kostet einmalig 150 bis 300 €. Auf dem Papier ist Selbermachen im ersten Jahr also teurer. Und trotzdem gehört eine Selbstinspektion an jedes Rad – nicht statt der Werkstatt, sondern zusätzlich. Warum, was du in 90 Minuten prüfst, welche Grenzwerte gelten und was du besser dem Mechaniker lässt, steht hier. Die komplette Liste gibt es als PDF zum Ausdrucken.

Warum eine Selbstinspektion – auch wenn du eine Werkstatt hast

Eine Werkstatt sieht dein Rad einmal im Jahr. Sie misst die Kette, sagt „passt noch“ und weiß nicht, ob die Kette vor 3 Monaten bei 0,1 % lag oder bei 0,35 %. Du weißt es – wenn du es aufschreibst. Das ist der erste von 3 Punkten, die keine Werkstatt für dich übernehmen kann: den Verschleißverlauf. Der zweite ist die Referenz im Kopf. Wer sein Rad einmal komplett durchgefühlt hat, hört das neue Knacken beim ersten Mal und nicht nach 500 km. Und der dritte ist banal: Manche Räder nimmt in der Hochsaison schlicht keine Werkstatt an.

Dazu kommt ein Punkt, der selten ausgesprochen wird. Auch nach einer bezahlten Inspektion ist ein kurzer Check sinnvoll. Ein Mechaniker arbeitet in der Saison im Akkord, und ein nicht angezogener Kassetten-Verschlussring ist menschlich. Ihn 3 Tage lang nicht zu bemerken, ist dagegen dein Problem. Deshalb hat die Checkliste unten einen eigenen Block „nach jedem Werkstattbesuch“.

Grundregel für alles, was folgt: Im Zweifel einen Mechaniker fragen. Erfahrung kann man nicht kaufen, und ein übersehenes Lagerspiel kostet keinen Zehner, sondern im schlechtesten Fall einen Rahmen.

Der Prüfrhythmus: Wann du was prüfst

Die meisten Wartungsanleitungen sind nach Bauteilen sortiert. Praktischer ist die Sortierung nach Zeit, weil du dann weißt, was heute dran ist – und was nicht.

Rhythmus Dauer Werkzeug Was du prüfst
Vor jeder Fahrt 30 Sekunden keins Bremshebel, Reifendruck (Daumen oder Manometer), Steckachse/Schnellspanner, Kette trocken oder ölig, beim E-Bike Akku eingerastet und Display ohne Fehler
Nach Regen, Schlamm, Salz 5 Minuten Lappen, Kettenöl Kette abwischen und nachölen, Bremsflächen auf Schleifgeräusch, Züge/Federung auf Dreck
Nach jedem Werkstattbesuch 5 Minuten Drehmomentschlüssel Verschlussring Kassette, Kurbelschrauben, Steckachsen, Vorbau nachziehen; alle Gänge unter Last; beide Bremsen; Rechnung gegen Checkliste
Monatlich oder alle 500 km 15 Minuten Kettenlehre, Taschenlampe Kette an 3 Stellen messen, Beläge mit Lampe, Tubeless schütteln, Gänge durchschalten, Sichtprüfung Schrauben, Licht
Quartalsweise oder alle 1.500 km 90 Minuten kompletter Werkzeugsatz Alle 8 Zonen mit Grenzwerten – das Herzstück, unten im Detail
Halbjährlich 30 Minuten je nach Rad Tubeless-Milch erneuern, Sattelstütze raus und fetten, Bremsflüssigkeit nach Datum, Federung reinigen
Jährlich oder alle 5.000 km Werkstatt – E-Bike-Diagnose, Lager pressen, Gabelservice, alles aus der 30-%-Liste

Die 90 Minuten: 8 Zonen mit Grenzwerten

Der Quartalsblock geht Zone für Zone durch das ganze Rad. Bei jeder Zone steht dabei, wo eine Sichtprüfung reicht und wo dir ohne Erfahrung etwas durchrutscht. Die vollständigen Prüfpunkte pro Zone mit Werkzeug und Einstufung „Selbst / Referenz / Werkstatt“ stehen im PDF – hier die Grenzwerte, die du wirklich messen kannst.

Zone 1: Rahmen und Cockpit – 10 Minuten

Taschenlampe schräg auf alle Übergänge: Steuerrohr, Tretlagerbereich, Ausfallenden, Kettenstrebe innen. Gesucht werden Lackrisse quer zur Belastung – längs kann Lack sein, quer ist ein Warnsignal. Bei Carbon zusätzlich der Klopftest mit einer Münze: hell ist gesund, dumpf oder hohl kann Delamination sein. Der Klopftest findet allerdings keine Haarrisse. Bei Verdacht ist Carbon Werkstatt oder besser ein Prüflabor.

Dann Drehmoment an 6 Stellen: Vorbau, Lenkerklemmung, Sattelklemme, Bremssattel, Kurbelschrauben, Steckachse. Die Werte stehen am Bauteil, meist zwischen 5 und 15 Nm. Ohne Drehmomentschlüssel keine Selbstinspektion – nicht nur bei Carbon, sondern aus Gewohnheit bei jedem Rad. Ein Carbon-Lenker, der mit 9 statt 5 Nm geklemmt wurde, zeigt den Schaden nicht sofort, sondern 3 Monate später in einer Abfahrt.

Zone 2: Lager und Spiel – 10 Minuten

Steuersatz: Vorderbremse ziehen, Rad vor und zurück wippen, ein Finger liegt auf der Fuge zwischen Steuersatz und Rahmen. Jedes Klacken im Finger ist Spiel. Nachstellen geht selbst: Vorbau lösen, Ahead-Kappe auf etwa 1 Nm, Vorbau mit Drehmoment wieder fest – in dieser Reihenfolge, sonst klemmst du das Spiel fest.

Tretlager: Kurbel seitlich belasten, die andere Hand fühlt am Rahmen. Dabei nicht an die Pedale fassen, denn Pedallagerspiel fühlt sich exakt gleich an. Bei Mittelmotoren sitzt ein Kurbelspiel oft nicht im Innenlager, sondern im Motorlager – das ist ohne Diskussion Werkstatt. Naben: Rad seitlich kippen. Konuslager lassen sich nachstellen, Industrielager werden getauscht. Schaltröllchen halten etwa 15.000 km.

Diese Zone ist die, bei der „im Zweifel einen Mechaniker fragen“ am meisten gilt. Ein Mechaniker fühlt in 5 Sekunden, ob ein Lager Spiel hat. Du brauchst am Anfang ein zweites Rad als Referenz, von dem du weißt, dass es in Ordnung ist.

Zone 3: Laufräder und Reifen – 15 Minuten

Speichen anzupfen und den Klang mit den Nachbarn vergleichen: Eine deutlich tiefere Speiche ist lose oder hat einen gebrochenen Nippel. Seiten- und Höhenschlag mit einem Kabelbinder am Rahmen als Zeiger prüfen; über 1 mm ist Zentrieren fällig – und das lasse ich machen. Ein Zentrierständer lohnt für ein Rad nicht, und ein schlecht zentriertes Rad ist schlechter als ein leicht eierndes.

Felgenbremse: Die Felge ist ein Verschleißteil. Jede moderne Felge hat einen Verschleißindikator, eine Rille oder einen Punkt in der Bremsflanke. Ist die Rille weg oder die Flanke unter einem Lineal konkav, ist die Felge am Ende. Eine durchgebremste Felge platzt beim Aufpumpen oder in der Abfahrt – plötzlich, nicht irgendwann. Das ist der einzige Punkt dieser Liste, bei dem das Wort lebensgefährlich passt.

Reifen: Flanke biegen, Risse, sichtbare Karkasse oder älter als 5 Jahre heißt tauschen. Tubeless: Rad neben dem Ohr schütteln. Kein Gluckern, keine Milch. Latexmilch hält 3 bis 6 Monate, im Hochsommer eher 2. Felgenband bei jedem Reifenwechsel ansehen.

Zone 4: Bremsen – 15 Minuten

Auf jeder Bremsscheibe steht die Mindestdicke eingraviert – und fast niemand hält je einen Messschieber dran. Scheibe entfetten, an 3 bis 4 Stellen im Reibring messen; eine einzige Stelle unter der Gravur reicht zum Tausch.

Bauteil Grenzwert Neuwert Wie messen
Bremsscheibe Shimano 1,5 mm 1,8 mm (meiste Modelle) Messschieber, Gravur „MIN 1.5“
Bremsscheibe SRAM 1,55 mm (1,85er) / 1,7 mm (2,0er) 1,85 / 2,0 mm Messschieber
Bremsscheibe Magura 1,6 mm 1,8 / 2,0 mm Messschieber
Bremsscheibe TRP 1,5 mm / 1,9 mm je nach Serie 1,8 / 2,3 mm Messschieber
Bremsbelag Scheibe unter 1 mm Belag planen, 0,5 mm Herstellergrenze Shimano 3–4 mm Taschenlampe in den Sattel, Belag über Trägerplatte
Bremsflüssigkeit Mineralöl alle 2 Jahre – Datum im Protokoll
Bremsflüssigkeit DOT jedes Jahr – Datum im Protokoll, geöffnete Flasche 12 Monate
Felge (Felgenbremse) Indikator sichtbar, Flanke plan – Sicht und Lineal

Bläuliche Verfärbung heißt, die Scheibe war schon einmal zu heiß und hat Festigkeit verloren. Verglaste Beläge erkennst du an spiegelnder Oberfläche und Kreischen: mit 120er Papier anschleifen oder tauschen. Öl auf dem Belag ist immer tauschen. Druckpunkt: Hebel 3-mal pumpen; wandert er oder ist schwammig, ist Luft im System.

Entlüften ist die Frage, über die sich Foren streiten. Mineralöl (Shimano, Magura, Campagnolo) kannst du selbst: Das Set kostet 30 bis 50 €, das Öl ist harmlos, ein Fehler heißt „nochmal“. Übe an einem alten Rad. DOT (SRAM, Formula) ist für Einsteiger die falsche Baustelle: DOT zieht Wasser, greift Lack und Haut an, und ein Fehler beim Entlüften heißt nicht „nochmal“, sondern Bremse weg in der Abfahrt. Wer das seit 20 Jahren selbst macht, braucht diesen Absatz nicht. Wer zum ersten Mal ein Entlüftungsset in der Hand hat, sollte ihn ernst nehmen.

Zone 5: Antrieb – 20 Minuten

Ein krummes Schaltauge ist die häufigste Ursache für „Schaltung geht nicht“ – nicht der Zug, nicht die Einstellung. Das Rad fällt einmal um, das Schaltauge biegt sich 1 mm, und bei 12-fach reicht das, damit 2 Gänge nicht mehr sauber sitzen. Ohne Lehre stellst du den Zug nach, und am nächsten Tag stimmt es wieder nicht. Die Schaltaugenlehre schraubst du ans Schaltauge und misst den Abstand zur Felge oben, unten, vorn, hinten. Über 4 mm Differenz wird gerichtet, mit demselben Werkzeug.

Bauteil Grenzwert / Lebensdauer Wie prüfen
Kette 11-/12-fach 0,5 % Längung Kettenlehre an 3 Stellen, schlechteste zählt
Kette bis 10-fach 0,75 % Längung Kettenlehre an 3 Stellen
Kette Laufleistung 6.000–12.000 km je nach Pflege Protokoll
Kassette ca. 18.000 km, Highend ca. 12.000 km, Faustregel 3 Ketten pro Kassette Zähne von der Seite: Haifischzähne = durch
Kassetten-Verschlussring 40 Nm Abzieher mit Drehmomentschlüssel
Schaltauge über 4 mm Differenz richten Schaltaugenlehre (Park Tool DAG-3) *
Schaltzüge und Hüllen 2 Jahre oder 15.000 km (Erfahrungswert) kalt durchschalten, Reibung fühlen; Innenzug an der Klemmung ausgefranst = fällig
Schaltwerk ca. 30.000 km, Röllchen ca. 15.000 km Spiel am Käfig, Röllchen spitz
Riemen (Gates u. a.) 20.000–30.000 km, Ritzel verschleißen vor dem Riemen Spannung per Hersteller-App oder Lehre; nie knicken

Eine Kette rechtzeitig getauscht kostet 20 bis 60 €. Eine Kassette, die von einer verschlissenen Kette ausgefeilt wurde, kostet 40 bis 250 €. Diese Rechnung machen die meisten erst, wenn die neue Kette auf der alten Kassette springt. Bei elektronischen Schaltungen zusätzlich Akkustand, Firmware und Kontakte – und ein Praxishinweis für Campagnolo EPS: Rad nie an die Hebel lehnen, nicht an die Wand, nicht ans Auto. Nach 2 bis 3 Jahren so geparkt ist der Bremshebel fällig. Zum Schmieren noch ein Satz: Das blaue Kriechöl aus der Sprühdose ist kein Schmierstoff, es wäscht die Schmierung aus den Gliedern.

Zone 6: E-Bike – 10 Minuten

Akku-Kontakte trocken und ohne Grünspan, nur säurefreies Kontaktspray, Polfett hauchdünn. Akku-Health in der App: Unter 80 % Restkapazität ist das Ende in Sicht, unter 70 % hat sich die Reichweite praktisch halbiert. Akku-Halterung spielfrei, Motorbefestigungsschrauben mit Drehmoment, Speed-Sensor und Magnet fest im Abstand. Beim Heckmotor die Kabel am Ausfallende – gescheuert ist Werkstatt.

Und die ehrliche Grenze, die beim E-Bike größer ist als bei jedem anderen Rad: Fehlerspeicher, Motordiagnose und Software-Update gehen bei Bosch, Shimano, Specialized und den meisten anderen nur über den zertifizierten Händler mit Diagnosetool. Warum das so ist und was es für Besitzer bedeutet, steht ausführlich im Beitrag E-Bike-Service: Dein E-Bike gehört dir weniger, als du denkst.

Versender-E-Bikes: Wenn keine Werkstatt dich annimmt

Mit einem E-Bike von Amazon oder direkt vom Hersteller – Heybike, AVDLBIKE und Dutzende weitere Marken – kommst du bei vielen Werkstätten nicht rein. Nicht aus Bosheit, sondern aus 3 nachvollziehbaren Gründen: Es gibt keine Ersatzteile und oft keinen Ansprechpartner. In der Saison haben Werkstätten 6 Wochen Vorlauf für eigene Kunden. Und Gewährleistungsfälle laufen über den Online-Verkäufer, der gern „gehen Sie zur Werkstatt vor Ort“ sagt – da hat der Händler vor Ort zu oft die Arbeit gehabt und das Geld nicht. Für Besitzer heißt das: Die Frage, ob sich das Werkzeug lohnt, stellt sich nicht. Du bist die Werkstatt. Die Diagnose bleibt trotzdem eine Lücke, die keine Checkliste schließt. Das gehört vor den Kauf, nicht danach.

Zone 7 und 8: Federung und StVZO

Federung nur, wenn vorhanden: Luftdruck und SAG nach Herstellertabelle, Standrohre auf Kratzer oder dauerhaften Ölfilm, Dichtungen reinigen und ein Tropfen Gabelöl. Kleiner Service nach 50 Betriebsstunden, großer nach 200 – Werkstatt. StVZO in 2 Minuten: Licht vorn und hinten, Reflektoren, Klingel, Pedalreflektoren. Dürfte bekannt sein, gehört trotzdem auf die Liste.

Was die Selbstinspektion wirklich kostet

Die Rechnung ist einfacher, als sie in Foren diskutiert wird: Werkzeug kaufst du einmal. Danach kostet die Inspektion nur noch deine Zeit, rund 90 Minuten pro Quartal, plus Verbrauchsmaterial, das wegen begrenzter Haltbarkeit immer wieder nachgekauft wird. Verschleißteile wie Kette, Beläge oder Scheibe zahlst du in beiden Fällen – in der Werkstatt plus Montage.

Werkzeug Wofür Preis ca. Pflicht?
Drehmomentschlüssel 2–20 Nm * alle Klemmungen, Carbon, Kurbel, Steckachse 40–80 € Pflicht
Inbus- und Torx-Satz alles 20–40 € Pflicht
Kettenverschleißlehre (Rohloff Caliber 2) * Kette 10–25 € Pflicht
Messschieber Scheibe, Belag 15 € Pflicht
Standpumpe mit Manometer (SKS) * Reifen 30–50 € Pflicht
Taschenlampe, Lappen, Kabelbinder Sicht, Referenz 0–10 € Pflicht
Schaltaugenlehre (Park Tool DAG-3) * Schaltauge 30–110 € ab 11-fach Pflicht
Kassettenabzieher + Kettenpeitsche Kassette prüfen und wechseln 20–30 € optional
Entlüftungsset Mineralöl Bremsen 30–50 € optional
Dämpferpumpe Federung 30 € nur MTB
Montageständer Komfort, Rücken 60–150 € lohnt ab 2 Rädern

Mein Werkzeug aus dem Video

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Pflichtblock also 115 bis 210 €, mit Schaltaugenlehre 145 bis 320 €. Zum Vergleich: Die Standardinspektion 2026 liegt laut einer Erhebung von Canyon in 32 Städten bei 300 Werkstätten im Bundesschnitt bei 83,35 €, mit einer Spanne von 49,30 € in Oldenburg bis 114,30 € in Ingolstadt. Eine E-Bike-Inspektion mit Diagnose kostet 80 bis 120 € Arbeitslohn.

Verbrauchsmaterial Wofür Preis ca. Haltbarkeit
Kettenöl Kette, Züge 8–15 € 2–3 Jahre geöffnet
Tubeless-Milch Reifen 10–20 € (500 ml) geöffnet 6–12 Monate, im Reifen 3–6 Monate
Bremsenreiniger Scheiben, Beläge 5–10 € mehrere Jahre
Mineralöl für Bremsen Entlüften 10–20 € mehrere Jahre, sauber verschlossen
DOT-Bremsflüssigkeit nur Werkstatt 5–10 € geöffnet 12 Monate, zieht Wasser
Lager- und Montagefett (Tunap) *, Gabelöl Achsen, Gewinde, Sattelstütze, Federung 8–15 € mehrere Jahre
Carbon-Montagepaste (Tunap) * Carbon-Klemmungen 8–12 € 2–3 Jahre
Polfett, Kontaktspray säurefrei E-Bike-Kontakte 8–15 € mehrere Jahre

Wann sich das Werkzeug umlegt, hängt von dir ab: 1 Rad und 1 Inspektion im Jahr – ab dem 2. Jahr. 2 Räder oder über 5.000 km im Jahr – schon im 1. Jahr. Versender-Rad ohne Werkstatt – die Frage stellt sich nicht. Und beim Rad, das gerade aus der Werkstatt kommt, rechnet sich der Drehmomentschlüssel in 5 Minuten.

Die 30 %, die in der Werkstatt bleiben

E-Bike-Diagnose, Fehlerspeicher und Software. Bremsen entlüften bei DOT. Gabel- und Dämpferservice nach 50 Stunden. Laufräder zentrieren und Speichen ersetzen. Lager pressen: Steuersatz, Tretlager, Naben. Carbon-Beurteilung im Zweifel. Gewährleistungs- und Garantiefälle. Und alles, was du nach dieser Liste nicht sicher einordnen kannst. Wann der beste Zeitpunkt für diesen Werkstatttermin ist, steht im Beitrag Werkstatttermin fürs Fahrrad: Warum er in den Herbst gehört.

Ob ein Mechaniker im Schnitt mehr findet als du mit dieser Liste, dazu gibt es keine belastbaren Daten. Vermutlich ja bei Lagern und Carbon. Vermutlich nein bei allem, was man messen kann – weil du den Verlauf kennst und er nur den Momentwert.

Die Checkliste als PDF: 6 Seiten, alle Grenzwerte, Verschleißprotokoll

Alles aus diesem Beitrag steht kompakt in einer Checkliste zum Ausdrucken: Prüfrhythmus mit Ankreuzkästchen, alle 8 Zonen mit Prüfpunkt, Grenzwert, Werkzeug und Einstufung, Werkzeug- und Verbrauchsmaterialliste mit Preisen und Haltbarkeit, die 30-%-Liste und ein Verschleißprotokoll mit 4 Spalten zum Eintragen. Kennzeichen wie E-BIKE, CARBON, TUBELESS oder FELGENBREMSE zeigen dir, welche Punkte für dein Rad gelten.

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Häufige Fragen zur Fahrrad-Inspektion

Wie oft sollte ich mein Fahrrad selbst inspizieren?
Der Rhythmus aus der Tabelle oben hat sich bewährt: 30 Sekunden vor jeder Fahrt, 15 Minuten monatlich oder alle 500 km, 90 Minuten quartalsweise oder alle 1.500 km. Wer über 5.000 km im Jahr fährt, orientiert sich an den Kilometern, alle anderen am Kalender. Einmal im Jahr bleibt eine Werkstattinspektion sinnvoll – vor allem beim E-Bike wegen der Diagnose.
Was kostet eine Fahrrad-Inspektion 2026?
Im Bundesschnitt 83,35 € für eine Standardinspektion, ermittelt bei über 300 Werkstätten in 32 Städten. Die Spanne reicht von rund 49 € bis 114 €. E-Bike-Inspektionen mit Diagnose liegen bei 80 bis 120 € Arbeitslohn. Verschleißteile kommen jeweils dazu.
Welches Werkzeug brauche ich mindestens?
Drehmomentschlüssel 2–20 Nm, Inbus- und Torx-Satz, Kettenverschleißlehre, Messschieber, Standpumpe mit Manometer und eine Taschenlampe. Zusammen 115 bis 210 €. Ab 11-fach-Schaltung gehört eine Schaltaugenlehre dazu, ab 30 € im Nachbau, rund 108 € bei Park Tool.
Wann muss eine Bremsscheibe getauscht werden?
Wenn sie an einer Stelle unter der eingravierten Mindestdicke liegt: 1,5 mm bei Shimano, 1,55 oder 1,7 mm bei SRAM je nach Serie, 1,6 mm bei Magura. Neu sind die meisten Scheiben 1,8 bis 2,0 mm dick – die Reserve beträgt also nur 0,3 bis 0,5 mm. Bläuliche Verfärbung ist ebenfalls ein Tauschgrund, weil die Scheibe überhitzt war.
Kann ich Bremsen selbst entlüften?
Bei Mineralöl (Shimano, Magura, Campagnolo) ja, mit einem Set für 30 bis 50 € und Übung an einem alten Rad. Bei DOT (SRAM, Formula) ist die Werkstatt für Einsteiger die bessere Wahl: DOT zieht Wasser, ist aggressiv, und ein Fehler beim Entlüften kann zum Bremsausfall führen.
Nimmt jede Werkstatt mein Versender-E-Bike an?
Nein. Viele Werkstätten lehnen Räder von Amazon oder unbekannten Online-Marken ab, weil es keine Ersatzteile gibt, die Kapazität in der Saison den eigenen Kunden gehört und Gewährleistungsfälle über den Verkäufer laufen. Wer so ein Rad besitzt, ist in der Praxis seine eigene Werkstatt – ohne Zugang zur Motordiagnose.
Lohnt sich die Selbstinspektion finanziell?
Bei 1 Rad und 1 Inspektion im Jahr ab dem 2. Jahr, bei 2 Rädern oder über 5.000 km schon im 1. Jahr. Der eigentliche Gewinn ist aber nicht das Geld, sondern der Verschleißverlauf: Wer Kette, Beläge und Scheibe alle 3 Monate misst und einträgt, tauscht Teile rechtzeitig und nicht, wenn sie versagen.

4 Kommentare

  1. Ich bin durch Zufall auf diese Website gestoßen! Genial für mich! Ich bin seit vielen Jahren Hobbyradler. Meistens bin ich mit einem Trekkingrad unterwegs, aber auch mit einem Mountainbike und und früher mit einem Rennrad. Man erfährt so viel Neues, obwohl man geglaubt hat, sehr viel zu wissen.

  2. Hallo Olaf,
    vielen Dank für den sehr ausführlichen Guide, das werde ich definitiv in Angriff nehmen.
    Eine Sache zum Thema Ersatzteile, ich hab ein Bike von Raleigh mit verbogenem Kurbelarm (frag nicht warum), der letzte Radladen hätte mir gerne geholfen, kam aber nicht an das Ersatzteil an. Gibt es eine magische Website, wo man solche teilweise speziellen Teile von Herstellern findet?

    Viele Grüße

    • Hallo, da ist mir nichts bekannt. Bei Raleigh selber aktuell anfragen ist schwer. Die Accell (Muttergesellschaft) ist in Insolvenz. Aber Raleigh wird vermutlich gekauft. Zu dem Thema kommt ein Video am Freitag.

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