Richtig trinken beim Sport: Was wirklich in die Flasche gehört

Proteine auffüllen

Kaum ein Thema im Ausdauersport ist so von Halbwissen umstellt wie das Trinken: Die einen schwören auf Elektrolyt-Pulver für 2 € pro Portion, die anderen fahren 4 Stunden mit einer Flasche Leitungswasser, und beide berufen sich auf „die Wissenschaft“. Dieser Ratgeber sortiert die Fakten: Warum ein Sportgetränk überhaupt funktioniert, wie viel du wirklich schwitzt, was in die Flasche gehört und was das kosten darf, wann Durst reicht und wann nicht, warum zu viel trinken auf langen Strecken gefährlicher ist als zu wenig, was Cola im Rennen macht und welchen Haken Kohlensäure hat. Die Grundlagen gelten für Radfahren, Laufen, Wandern und Krafttraining gleichermaßen, und ein guter Teil davon auch für den Schreibtisch.

Das Wichtigste in Kürze: Ein Sportgetränk ist Wasser mit 4 bis 8 Prozent Kohlenhydraten und 400 bis 1.100 mg Natrium pro Liter. Das lässt sich für unter 10 Cent selbst mischen. Wie viel du schwitzt, misst du mit einer Waage genauer als jedes Labor. Bis 90 Minuten reicht Durst als Regler, darüber und bei Hitze hilft ein Plan, der maximal 80 Prozent der Schweißrate ersetzt. Wer während der Belastung an Gewicht zunimmt, hat zu viel getrunken, und das ist auf langen Strecken das gefährlichere Problem.

Warum ein Sportgetränk überhaupt funktioniert

Der Mechanismus hinter jedem Iso-Drink ist Medizingeschichte. Im Dünndarm werden Glukose und Natrium über denselben Transporter aufgenommen, den sogenannten SGLT1. Glukose zieht Natrium mit, Natrium zieht Wasser mit. Auf diesem Prinzip beruht die orale Rehydratationslösung der Weltgesundheitsorganisation, mit der seit den 1970er-Jahren Cholera- und Durchfallpatienten behandelt werden: Wasser, etwas Zucker, etwas Salz. Ein Sportgetränk ist nichts anderes als diese Lösung mit mehr Zucker und Geschmack.

Daraus folgt eine wichtige Einordnung: Wasser allein wird bei kurzer Belastung problemlos aufgenommen. Zucker beschleunigt die Wasseraufnahme nur in Kombination mit Natrium, und Natrium ohne Zucker hilft dem Darm wenig. Die Wirkung steckt im Verhältnis, nicht in der Marke.

Wie viel du wirklich schwitzt: Die Bandbreiten

Die zentrale Zahl, die jede pauschale Trinkempfehlung entwertet, ist die Streuung zwischen Menschen. Die Schweißrate liegt bei Ausdauerbelastung typischerweise zwischen 0,5 und mehr als 2 Litern pro Stunde. Der Natriumgehalt im Schweiß streut noch stärker: Große Datenbanken mit Schweißtests nennen Werte von rund 230 bis über 2.000 mg Natrium pro Liter, im Mittel etwa 950 mg.

Größe Typische Bandbreite Konsequenz
Schweißrate 0,5 bis 2+ l pro Stunde Faktor 4 zwischen zwei Sportlern auf derselben Strecke
Natrium im Schweiß ca. 230 bis 2.070 mg pro Liter Faktor 9 im Salzverlust pro Liter
Natriumverlust pro Stunde ca. 100 mg bis über 4.000 mg Keine Packungsangabe passt für alle

Ein Schweißtest im Labor liefert die Natriumkonzentration, kostet aber meist mehr als 100 € und misst ein Pflaster am Arm unter Laborbedingungen. Die Schweißrate, also die für die Trinkmenge entscheidende Größe, bestimmst du selbst mit der Wiegemethode, die auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihrem Positionspapier zum Flüssigkeitsmanagement im Sport als Orientierung empfiehlt.

Die Wiegemethode in 4 Schritten
  • Vor der Einheit nackt wiegen, nach dem Toilettengang
  • Alles notieren, was du unterwegs trinkst (in Litern)
  • Direkt nach der Einheit abtrocknen und wieder nackt wiegen
  • Rechnung: (Gewicht vorher minus Gewicht nachher plus Getrunkenes) geteilt durch Stunden = Schweißrate in Litern pro Stunde

Beispiel: 78,0 kg vorher, 76,6 kg nachher, 1,0 l getrunken, 3 Stunden: (1,4 + 1,0) / 3 = 0,8 l pro Stunde. Bei 30 Grad und bei 15 Grad separat messen, die Werte unterscheiden sich oft um das Doppelte.

Isotonisch, hypotonisch, hypertonisch: Was die Begriffe bedeuten

Die Tonizität beschreibt, wie viele gelöste Teilchen ein Getränk im Vergleich zum Blut enthält. Blut liegt bei rund 290 Milliosmol pro Kilogramm. Ein isotonisches Getränk hat etwa dieselbe Teilchendichte, ein hypotonisches weniger, ein hypertonisches mehr. Hypotone und isotone Getränke verlassen den Magen schnell und werden zügig aufgenommen. Hypertone Getränke wie purer Saft oder Cola entleeren langsamer und ziehen zunächst sogar Wasser in den Darm, bevor sie aufgenommen werden.

Getränk Kohlenhydrate Natrium Tonizität (ca.)
Leitungswasser 0 % nahe 0 stark hypoton
Apfelschorle 1:2 ca. 4 % nahe 0 leicht hypoton bis isoton
Apfelschorle 1:1 ca. 5,5 % nahe 0 isoton
Iso-Drink nach DGE 4 bis 8 % 400 bis 1.100 mg/l hypoton bis isoton
Alkoholfreies Weizen ca. 5 % sehr wenig etwa isoton, aber ohne Salz
Apfelsaft pur ca. 11 % nahe 0 hyperton
Cola 10,6 % wenig hyperton

Die Tabelle zeigt das häufigste Missverständnis: Apfelschorle und alkoholfreies Weizenbier werden als „isotonisch“ beworben, was rechnerisch stimmt, aber den zweiten Baustein unterschlägt. Beide liefern praktisch kein Natrium. Als Sportgetränk taugen sie erst mit einer Prise Salz.

Selbst mischen: Das Rezept in 3 Stufen

Die DGE nennt als Zielkorridor 4 bis 8 Prozent Kohlenhydrate und 400 bis 1.100 mg Natrium pro Liter. 1 Gramm Kochsalz enthält rund 390 mg Natrium. Damit lässt sich jedes Sportgetränk aus Haushaltszutaten nachbauen.

Stufe Rezept pro Liter Ergebnis Kosten (ca.)
1: Basis bis 2,5 h 2 bis 3 g Salz (knapper halber Teelöffel), 30 bis 60 g Haushaltszucker, Spritzer Zitrone oder 100 ml Saft 3 bis 6 % KH, 800 bis 1.200 mg Natrium unter 0,10 €
2: Lange Einheiten über 2,5 h wie Stufe 1, dazu 30 bis 40 g Maltodextrin, Zucker und Maltodextrin etwa 1:1, in Summe bis 80 g KH 6 bis 8 % KH, Glukose zu Fruktose etwa 2:1 ca. 0,30 €
3: Fertigpulver nach Packungsangabe je nach Produkt, oft außerhalb des DGE-Korridors 1,50 bis 3,50 € pro Portion

Welcher Zucker?

Die Wahl des Zuckers entscheidet über Verträglichkeit und Aufnahmerate. Der Darm nimmt Glukose und Fruktose über getrennte Transporter auf. Wer beide kombiniert, kann mehr Kohlenhydrate pro Stunde verwerten als mit Glukose allein, ab etwa 60 g pro Stunde wird das relevant.

Zuckerart Zusammensetzung Eignung
Haushaltszucker (Saccharose) Glukose und Fruktose 1:1 Beste Basis, günstig, gut verträglich
Maltodextrin Glukoseketten Geschmacksneutral, geringe Osmolalität, ideal für hohe Mengen
Traubenzucker (Dextrose) reine Glukose Hohe Osmolalität pro Gramm, belastet den Magen stärker
Fruktose pur reine Fruktose Allein schlecht verträglich, nur als Beimischung
Honig ca. 40 % Fruktose, 30 % Glukose Funktioniert, teurer, löst sich schlechter in kaltem Wasser

Wer Haushaltszucker und Maltodextrin 1:1 mischt, landet bei etwa 2 Teilen Glukose auf 1 Teil Fruktose, dem Verhältnis, das viele Hersteller als Alleinstellungsmerkmal bewerben. Der Unterschied liegt im Preis: Maltodextrin kostet im Handel rund 5 bis 8 € pro Kilogramm, Haushaltszucker etwa 1 €.

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Was Fertigprodukte versprechen und was die Studien sagen

Die Sportgetränke-Branche arbeitet mit einer Handvoll wiederkehrender Claims. Drei davon halten einer Prüfung stand, drei nicht.

Claim Bewertung Begründung
Geschmack steigert die Trinkmenge stimmt Freiwillige Trinkmenge hängt stark von Geschmack und moderatem Salzgehalt ab; wer sein Getränk nicht mag, trinkt zu wenig
Glukose-Fruktose-Verhältnis erhöht die Aufnahme stimmt Ab ca. 60 g KH pro Stunde belegt; mit Haushaltszucker plus Maltodextrin selbst herstellbar
Geprüfte Chargen, Hygiene, Bequemlichkeit stimmt Für Sportler mit Dopingkontrollen relevant, für alle anderen ein Komfort-Aufpreis
Hydrogel oder Spezialmatrix schont den Magen nicht belegt Unabhängige Studien fanden bei üblichen Mengen keinen Unterschied zu einfachen Malto-Fruktose-Mischungen
Magnesium, Kalium, Calcium gegen Erschöpfung nicht belegt Verluste über Schweiß sind gering und werden über normale Ernährung gedeckt; kritisch ist nur Natrium
Salz oder Magnesium gegen Krämpfe nicht belegt Belastungskrämpfe gelten heute überwiegend als neuromuskuläre Ermüdung; Gurkenwasser wirkt in Studien binnen rund 85 Sekunden, zu schnell für eine Aufnahme ins Blut, also über einen Reflex

Wie weit Produkte und Empfehlungen auseinanderliegen, zeigte ein Ökotest-Vergleich von Elektrolyt-Präparaten aus dem Jahr 2025: Kein einziger Anbieter setzte sein Produkt so zusammen, wie es die DGE-Empfehlungen oder die EU-Vorgaben für Sportgetränke vorsehen. Viele Produkte enthielten zu wenig Kohlenhydrate oder zu viel von Mineralstoffen, die beim Schwitzen kaum eine Rolle spielen.

Preisvergleich pro Liter Getränk

Variante Kosten pro Liter (ca., Stand September 2026) Natrium pro Liter
Selbst gemischt, Stufe 1 unter 0,10 € 800 bis 1.200 mg, frei wählbar
Selbst gemischt, Stufe 2 mit Maltodextrin ca. 0,30 € frei wählbar
Elektrolyt-Sticks und Brausetabletten 2 bis 4 € meist 500 bis 1.000 mg, teils deutlich weniger
Kohlenhydrat-Drinkmix im Premiumsegment ca. 3,50 € pro 500 ml Portion meist unter 500 mg

Wie viel trinken: Durst oder Plan?

Über Jahrzehnte galt der Leitsatz „Trinken, bevor der Durst kommt“. Die DGE hat diese Empfehlung in ihrem Positionspapier ausdrücklich als überholt eingestuft und rät, sich grundsätzlich am Durstgefühl zu orientieren, um sowohl Dehydratation als auch eine Hyponatriämie durch zu viel Flüssigkeit zu vermeiden. Auslöser für diesen Kurswechsel waren Todesfälle bei Freizeitsportlern, die nach Plan mehr getrunken hatten, als sie verloren.

Gleichzeitig zeigen Studien, dass Durst bei langen Belastungen in Hitze zu spät und zu schwach einsetzt, um den Verlust zu decken. Beide Positionen lassen sich zu einer praktikablen Regel verbinden:

Situation Strategie Getränk
Bis 60 Minuten, moderat Nach Durst, Trinken optional Wasser
60 bis 90 Minuten Nach Durst Wasser, bei Hitze mit Salz
Über 90 Minuten, moderate Temperatur Nach Durst, Kontrolle über Waage Sportgetränk Stufe 1
Über 90 Minuten, Hitze über 25 Grad Nach Plan: maximal 80 % der gemessenen Schweißrate, selten mehr als 1 l pro Stunde Sportgetränk Stufe 1 oder 2
Ab etwa 60 Jahren Nach Plan auch bei kürzeren Einheiten, weil das Durstempfinden im Alter nachlässt wie oben

Übertrinken: Die unterschätzte Gefahr

Eine belastungsbedingte Hyponatriämie entsteht, wenn mehr Flüssigkeit aufgenommen wird, als der Körper ausscheiden kann. Das Blut verdünnt sich, der Natriumspiegel sinkt unter 135 mmol pro Liter, Wasser strömt in die Zellen, und das Gehirn schwillt an. Die Symptome ähneln denen einer Dehydratation: Übelkeit, Kopfschmerz, Verwirrtheit. Genau das macht sie gefährlich, weil Betroffene und Helfer reflexartig zu noch mehr Wasser greifen.

Die bekannteste Untersuchung dazu stammt vom Boston-Marathon 2005: Von 488 direkt im Ziel untersuchten Finishern hatten 13 Prozent eine Hyponatriämie. Die wichtigsten Risikofaktoren waren eine Gewichtszunahme während des Laufs, lange Laufzeiten über 4 Stunden und ein hoher Konsum von Flüssigkeit an jeder Station. Salztabletten verhindern das nicht: Wer 1,5 Liter pro Stunde trinkt und 0,7 Liter schwitzt, verdünnt sein Blut unabhängig von der Salzzufuhr.

Warnsignale für zu viel Flüssigkeit
  • Gewichtszunahme während der Belastung (das sicherste Zeichen)
  • Geschwollene Finger, enger Ring, enge Uhr
  • Übelkeit und Völlegefühl trotz weiterem Trinken
  • Kopfschmerz und Verwirrtheit bei gleichzeitig heller Urinfarbe

Bei Verdacht: Trinken stoppen, salzige Nahrung, bei Verwirrtheit oder Erbrechen sofort ärztliche Hilfe. Keine weitere Flüssigkeit „zur Sicherheit“.

Die 2-Prozent-Regel: Was die Studien wirklich zeigen

Die verbreitete Regel, wonach ab 2 Prozent Körpergewichtsverlust die Leistung einbricht, stammt aus Laborstudien, in denen die Probanden wussten, dass sie dehydriert waren, und ohne Fahrtwind belastet wurden. Neuere Untersuchungen mit verblindeter Flüssigkeitszufuhr über Infusion zeichnen ein differenzierteres Bild.

Studie Aufbau Ergebnis
Wall et al. 2015 (British Journal of Sports Medicine) Radfahrer, verblindet auf −2 und −3 %, 25 km Zeitfahren bei 33 Grad mit 32 km/h Fahrtwind Kein messbarer Leistungsverlust bei beiden Stufen
Adams et al. 2018, Funnell et al. 2019 Verblindete Dehydratation, Belastung bei rund 35 Grad ohne nennenswerten Fahrtwind Deutlicher Leistungsverlust ab etwa 2 bis 3 %

Der entscheidende Unterschied ist die Kühlung. Fahrtwind senkt die Hauttemperatur und damit die Belastung des Kreislaufs, sodass ein moderater Flüssigkeitsverlust auf dem Rad besser toleriert wird als beim Laufen, auf der Rolle oder beim Wandern ohne Wind. Die 2-Prozent-Regel ist also keine Erfindung, aber sie gilt nicht universell. Die DGE nennt Einbußen bei Kraft, Ausdauer und Konzentration ab 2 bis 4 Prozent Verlust, ein Bereich, der bei mehrstündiger Belastung in Hitze durchaus erreicht wird.

Cola im Rennen: Was sie kann und was nicht

Dass Profis in der letzten Rennstunde zur Cola greifen, hat drei nachvollziehbare Gründe. Cola liefert 10,6 g Zucker pro 100 ml, rund das 1,5-Fache eines isotonischen Getränks, dazu etwa 10 mg Koffein pro 100 ml, und sie bietet nach Stunden mit süßen Gels einen anderen Geschmack, der die Trinkmenge wieder erhöht. Bei Magenproblemen wirken zusätzlich das Koffein, das die Magenmotorik anregt, und die Kohlensäure, deren Aufstoßen den Druck reduziert. Die Phosphorsäure in Cola wird in der Gastroenterologie sogar gezielt eingesetzt, um verhärtete Pflanzenfaserklumpen im Magen aufzulösen, mit hohen Erfolgsquoten in Fallserien.

Als Standardgetränk taugt Cola trotzdem nicht. Sie ist hyperton, entleert langsamer aus dem Magen und zieht in der ersten Phase Wasser in den Darm. Sinnvoll ist sie in kleinen Mengen von 100 bis 200 ml, wenn sonst nichts mehr geht, möglichst abgestanden oder mit wenig Kohlensäure. Im Training hat sie keinen Platz.

Kohlensäure: Kein Problem für den Magen, aber ein Haken

Der Vorbehalt, Kohlensäure bremse die Flüssigkeitsaufnahme, hält der Datenlage nicht stand. Studien zur Magenentleerung, darunter Untersuchungen mit Radfahrern auf dem Ergometer, fanden keinen Unterschied zwischen stillem und kohlensäurehaltigem Wasser. Auch Blähungen treten bei moderaten Mengen nicht häufiger auf als bei stillem Wasser.

Einen anderen Effekt hat eine im Juni 2026 im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Studie gezeigt: Nach leichter Dehydratation von rund 1 Prozent des Körpergewichts durften die Probanden nach Belieben trinken. Mit Sprudelwasser tranken sie spontan weniger als mit stillem Wasser und erreichten eine geringere Flüssigkeitsbilanz. Waren dem Wasser Elektrolyte zugesetzt, wurde die geringere Trinkmenge durch eine niedrigere Urinausscheidung weitgehend ausgeglichen. Einschränkend ist zu erwähnen, dass die Studie klein war, nur junge Erwachsene untersuchte und von einem Getränkehersteller finanziert wurde. Die Kernaussage passt aber zu älteren Befunden zur freiwilligen Trinkmenge: Kohlensäure sättigt schneller. Wer Sprudel bevorzugt, sollte deshalb Salz zusetzen und die Trinkmenge bewusst kontrollieren.

Wer unterwegs nicht auf Kohlensäure verzichten will, kann sie inzwischen selbst herstellen: Die BottlePlus ist eine 600-ml-Edelstahlflasche mit einem kleinen CO₂-Tank im Boden, der zuhause mit einem handelsüblichen Zylinder geladen wird und dann etwa 10 Füllungen unterwegs sprudelt. Sie passt in den Flaschenhalter und eignet sich auch für Tee oder Wasser mit Zitrone. Die Nachteile sind ein Leergewicht von knapp 500 g, eine fehlende Fülllinie und ein Sprudel, der schwächer ausfällt als beim Standgerät. Mit dem Code OLAF20 gibt es 20 € Rabatt.

Temperatur: Warum kalte Getränke mehr bringen als gedacht

Kühle Getränke von etwa 10 bis 15 Grad verlassen den Magen schneller als warme und werden bei Hitze freiwillig in größerer Menge getrunken. Eiskalte Getränke oder Eis-Slush vor der Belastung senken die Körperkerntemperatur messbar und verlängern die Zeit bis zur Erschöpfung in der Hitze. Ein einfacher Praxistrick für lange Fahrten: eine isolierte Flasche mit Eiswürfeln und purem Saft füllen und unterwegs mit Wasser auffüllen. So bleibt die Schorle über Stunden kalt, statt nach 40 Minuten lauwarm zu sein.

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Trinken im Alltag: 2 Liter, Kaffee und Urinfarbe

Die populäre 2-Liter-Regel ist eine Rundung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt als Richtwert für die Gesamtwasserzufuhr 2,5 Liter für Männer und 2,0 Liter für Frauen, wobei 20 bis 30 Prozent davon aus fester Nahrung stammen. Als Getränkemenge bleiben damit rund 1,5 bis 2 Liter, mehr bei Hitze, Sport oder trockener Büroluft.

Kaffee zählt voll zur Flüssigkeitsbilanz. Eine kontrollierte Studie aus dem Jahr 2014 fand bei moderaten Mengen von etwa 4 Tassen täglich keinen Unterschied im Hydratationsstatus gegenüber derselben Menge Wasser. Die einfachste Kontrolle im Alltag bleibt die Urinfarbe: Hellgelb zeigt eine ausgeglichene Bilanz, dunkles Gelb Nachholbedarf, wasserklar über Stunden ein Zuviel.

Urinfarbe Bedeutung Reaktion
Wasserklar zu viel Flüssigkeit Trinkmenge reduzieren, Salz in der Nahrung
Hellgelb ausgeglichen nichts ändern
Dunkelgelb Flüssigkeitsdefizit nachtrinken, vor der nächsten Einheit ausgleichen
Bernstein bis braun starkes Defizit oder andere Ursache trinken, bei Anhalten ärztlich abklären

Vitaminpräparate, Rote Bete und manche Medikamente verfärben den Urin unabhängig vom Wasserhaushalt. In diesen Fällen ist die Waage die verlässlichere Kontrolle.

FAQ: Häufige Fragen zum Trinken beim Sport

Wie viel sollte ich beim Radfahren pro Stunde trinken?
Es gibt keine allgemeingültige Zahl, weil die Schweißrate zwischen 0,5 und über 2 Litern pro Stunde streut. Bis 90 Minuten reicht Durst als Regler. Bei längeren Einheiten in Hitze orientierst du dich an deiner gemessenen Schweißrate und ersetzt davon maximal 80 Prozent, in der Praxis selten mehr als 1 Liter pro Stunde. Die Schweißrate bestimmst du mit der Wiegemethode vor und nach einer Einheit.
Ist Apfelschorle ein gutes Sportgetränk?
Im Verhältnis 1:2 (ein Teil Saft, zwei Teile Wasser) liegt Apfelschorle bei rund 4 Prozent Kohlenhydraten und damit im empfohlenen Bereich. Es fehlt aber Natrium, weil Apfelsaft praktisch keins enthält. Mit 2 bis 3 g Salz pro Liter wird daraus ein vollwertiges Sportgetränk. Pur ist Apfelsaft mit 11 Prozent Zucker hyperton und für die Flasche ungeeignet.
Kann ich Sportgetränke wirklich selbst mischen?
Ja. Ein Liter Wasser mit 2 bis 3 g Kochsalz, 30 bis 60 g Haushaltszucker und etwas Zitrone oder Saft entspricht der DGE-Empfehlung von 4 bis 8 Prozent Kohlenhydraten und 400 bis 1.100 mg Natrium. Für Einheiten über 2,5 Stunden kommt Maltodextrin dazu. Die Rohstoffkosten liegen unter 10 Cent pro Liter.
Helfen Elektrolyte oder Magnesium gegen Muskelkrämpfe?
Die Datenlage spricht dagegen. Belastungsbedingte Krämpfe gelten überwiegend als Folge neuromuskulärer Ermüdung, nicht eines Salz- oder Magnesiummangels. Gurkenwasser, das in Studien Krämpfe innerhalb von rund 85 Sekunden beendete, wirkt über einen Reflex im Rachenraum und nicht über die Aufnahme ins Blut. Sinnvoll gegen Krämpfe sind angepasstes Tempo, Training und Dehnung, nicht Salztabletten.
Bremst Kohlensäure die Flüssigkeitsaufnahme?
Nein. Die Magenentleerung ist mit und ohne Kohlensäure gleich schnell. Kohlensäure senkt aber die freiwillige Trinkmenge, weil sie schneller sättigt. Wer Sprudel bevorzugt, sollte deshalb Salz zusetzen und die Trinkmenge bewusst kontrollieren.
Kann man zu viel Wasser trinken?
Ja, und bei langen Belastungen ist das gefährlicher als ein moderates Defizit. Wer mehr trinkt, als er ausscheidet, verdünnt sein Blut und riskiert eine Hyponatriämie mit Hirnschwellung. Beim Boston-Marathon 2005 waren 13 Prozent der untersuchten Finisher betroffen. Das sicherste Warnzeichen ist eine Gewichtszunahme während der Belastung. Salztabletten verhindern das nicht.
Warum trinken Radprofis Cola?
Cola liefert 10,6 g Zucker pro 100 ml, Koffein und einen Geschmackswechsel nach Stunden mit süßen Gels. Bei Magenproblemen helfen Koffein und Kohlensäure zusätzlich. Sie ist aber hyperton und entleert langsam, deshalb nur in kleinen Mengen in der Schlussphase langer Belastungen, nicht als Standardgetränk.
Zählt Kaffee zur Flüssigkeitsbilanz?
Ja. Bei moderatem Konsum bis etwa 4 Tassen täglich entzieht Kaffee dem Körper netto keine Flüssigkeit; eine kontrollierte Studie aus dem Jahr 2014 fand keinen Unterschied zum Trinken derselben Menge Wasser. Auch Tee und verdünnte Säfte zählen voll mit.
Wie erkenne ich, ob ich genug getrunken habe?
Über die Urinfarbe im Alltag (hellgelb ist das Ziel) und über die Waage nach dem Sport. Ein Gewichtsverlust bis 2 Prozent nach einer Einheit ist unproblematisch und wird über den Tag ausgeglichen. Steht innerhalb von 24 Stunden die nächste Einheit an, sollten etwa 150 Prozent des verlorenen Gewichts als Flüssigkeit mit Salz nachgetrunken werden.

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